Thing der Morsumer Kulturfreunde

Wie gut funktioniert die fusionierte Gemeinde Sylt? Dieser Frage sind die Morsumer Kulturfreunde in ihrem Thing am Petritag nachgegangen und befragten nicht nur Kreispräsident Manfred Uekermann, Bürgermeister Nikolas Häckel und Lars Schmidt als Vertreter des Ortsbeirates Morsum, sondern auch die rund 140 Besucher der Veranstaltung. Mit roten Klebepunkten konnte der Gemeinde Sylt eine Schulnote vergeben werden – die meisten der Punkte verteilten sich am Ende im hinteren Mittelfeld zwischen befriedigend (3) und mangelhaft (5). Unter der eloquenten Moderation von Lutz Eilrich, seit zwei Jahren Morsumer, durften anschließend die Referenten ihr jeweils eigenes Urteil fällen.

Manfred Uekermann hat zwar selbst viele Jahre den Tinnumer Ortsbeirat geleitet, schaffte es aber dennoch, als frischgebackener Kreispräsident einen neutralen Blick auf die Gemeinde Sylt zu werfen. Aus Sicht des Kreises sei kein Nachteil in der Fusion zu sehen, attestierte er. „Ob es Vorteile gibt, kann man aus Sicht des Kreises nicht sagen, da niemals eine fundierte Evaluation stattgefunden hat.“ Kreisweit scheint es aber durchaus so, dass „die heute acht großen Verwaltungen professioneller geführt werden als früher die 25 kleinen.“ Für Morsum im Speziellen vermutete er aber, dass der Ort als kleine und finanzschwache Gemeinde von der Fusion durchaus profitieren könne. „Im Übrigen hat Morsum seine Selbständigkeit bereits 1970 verloren, als die Gemeinde Sylt-Ost gebildet wurde.“

Bürgermeister Nikolas Häckel machte keinen Hehl daraus, dass er sich die Fusion anders vorgestellt hätte: „Für mich wirkt es wie eine Fusion des Kopfes, nicht der Herzen.“ Ihm fehlt es an fest definierten, schlanken Arbeitsprozessen, beispielsweise für den Umgang mit den Ortsbeiräten. „Ich würde mir wünschen, dass wir den anderen Amtsgemeinden eine gute Fusion vorleben und wie in einer guten Ehe kooperieren.“ Deutliche Kritik gab es von Lars Schmidt, der sich als Morsumer von der Gemeinde Sylt annektiert fühlt und seine Meinung mit zahlreichen Kritikpunkten zu Details wie seltener gepflegten Grünflächen, langsamerer Umsetzung von Instandsetzungsmaßnahmen und sinnlose innerörtliche Ortsende-Schilder. Die Demokratie sei immer weiter weggerückt von den Morsumer Bürgern.

Anschließend waren noch einmal die Gäste gefragt, die nicht nur ihre eigenen Kritikpunkte, sondern auch Lösungsvorschläge anbringen durften. Von der Befürwortung bis hin zur großen Lüge am Bürger war in den Kommentaren jede Abstufung zu finden. Ganz deutlich wurde aber der Wunsch der Morsumer nach mehr Eigenverantwortung. Ein Veto-Recht für den Ort betreffende Entscheidungen wurde ebenso gefordert wie ein eigenes Budget oder direkte Wahlen. Aber auch eine gemeinsame Sprache und mehr Feingefühl untereinander wurde gefordert: „Die Gäste denken an Sylt im Ganzen, daran sollten sich die Sylter ein Beispiel nehmen“, meinte ein Keitumer. Dem stimmte auch Jürgen Ingwersen zu: „Ich bin Morsumer, aber ich bin auch Sylter.“ Nikolas Häckel zeigte im Anschluss an die Veranstaltung Verständnis für die Wünsche der Morsumer: „Ich greife die Impulse sehr gerne auf und werde sie im Hauptausschuss ansprechen – mit ersten Lösungsideen. Wir können nicht erwarten, dass wir alle mit vollem Herzen unsere Fusion leben, wenn das Gefühl vorherrscht, nicht ernst genommen zu werden.“